GLP-1-Medikamente (Ozempic, Wegovy & Co.): Was wirkt, was kostet es, welche Risiken?

GLP-1-Medikamente: Person bereitet in heller Küche eine proteinreiche Mahlzeit zu

15 Min Lesezeit · Aktualisiert am 06.07.2026 · Verfasst von Luca Schneider

Kaum ein Gesundheitsthema hat die letzten drei Jahre so geprägt wie die GLP-1-Medikamente. Ozempic, Wegovy, Mounjaro — Namen, die vor kurzem nur Diabetologen kannten, tauchen heute in Talkshows, TikTok-Videos und Pausengesprächen auf. In Deutschland nutzen inzwischen schätzungsweise rund 550.000 Menschen ein solches Präparat, und laut einer YouGov-Erhebung haben 63 Prozent der Erwachsenen schon von den „Abnehmspritzen“ gehört.

Die moderne Forschung liefert dazu ungewöhnlich harte Daten: Der SELECT-Trial mit über 17.000 Teilnehmern zeigte 2023, dass Semaglutid schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 20 Prozent senkt[1] — unabhängig davon, wie viel Gewicht jemand verliert. Gleichzeitig warnen Fachgesellschaften vor Muskelabbau, Magen-Darm-Beschwerden und dem Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen. GLP-1 ist eben kein Wundermittel, sondern ein hochwirksames Medikament mit klaren Vor- und Nachteilen.

Die Debatte ist 2026 spürbar reifer geworden. Es geht längst nicht mehr nur um verlorene Kilos, sondern um Herz-Kreislauf-Schutz, Muskelerhalt, Verträglichkeit, Kosten und eine ganze Welle neuer Wirkstoffe. Genau diese Nüchternheit versucht dieser Guide abzubilden — ohne Hype, aber auch ohne pauschale Ablehnung.

Dieser Guide ordnet den Hype ein: Wie stark wirken GLP-1-Medikamente wirklich? Was kosten sie in Deutschland, und wer zahlt? Welche Risiken sind belegt — und welche übertrieben? Er ist der Ausgangspunkt unseres GLP-1-Schwerpunkts und verweist auf alle vertiefenden Einzelartikel.

1. Was GLP-1 ist und wie die Medikamente wirken

GLP-1 steht für „Glucagon-like Peptide 1″ — ein körpereigenes Darmhormon, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Es meldet dem Gehirn Sättigung, verlangsamt die Magenentleerung und reguliert den Blutzucker. Die neuen Medikamente sind Nachbauten dieses Hormons, die deutlich länger im Körper wirken.

👉 So greifen sie ein:

  • Appetit im Gehirn: Sie dämpfen das Hungergefühl und die „Food Noise“, also das ständige Kreisen der Gedanken ums Essen
  • Magen: Die Nahrung bleibt länger im Magen, das Sättigungsgefühl hält an
  • Blutzucker: Die Insulinausschüttung wird nur bei erhöhtem Blutzucker angeregt — das Risiko für Unterzuckerung bleibt gering

Der jüngste Wirkstoff Tirzepatid (Mounjaro) geht noch einen Schritt weiter: Er aktiviert zusätzlich den GIP-Rezeptor, ein zweites Darmhormon. Diese Doppelwirkung erklärt, warum Tirzepatid in Studien stärker wirkt als reine GLP-1-Präparate.

Wichtig für das Verständnis: GLP-1-Medikamente greifen an einem biologischen Grundmechanismus an, nicht am „Willen“. Übergewicht ist kein reines Disziplinproblem, sondern wird stark von Hormonen und Gehirnsignalen gesteuert. Genau dort setzen die Wirkstoffe an — was auch erklärt, warum das Gewicht nach dem Absetzen oft zurückkehrt. Den genauen Mechanismus vertiefen wir im Cluster-Artikel Wie GLP-1 wirkt: Der Mechanismus hinter der Appetithemmung.

2. Die wichtigsten Wirkstoffe und Marken im Überblick

Die Verwirrung ist groß, weil derselbe Wirkstoff unter verschiedenen Markennamen und für verschiedene Zwecke zugelassen ist. Entscheidend ist immer der Wirkstoff, nicht der Markenname.

👉 Die aktuellen Hauptakteure (Stand Mitte 2026):

  • Semaglutid: als Ozempic für Typ-2-Diabetes und als Wegovy für die Gewichtsreduktion zugelassen — chemisch identischer Wirkstoff
  • Tirzepatid: als Mounjaro sowohl für Diabetes als auch für Adipositas zugelassen — der GIP/GLP-1-Doppelagonist
  • Liraglutid: die ältere, täglich zu spritzende Substanz (Saxenda/Victoza); seit 2026 auch als günstigeres Generikum (Nevolat) verfügbar

Ein wichtiger Punkt: Ozempic ist in Deutschland offiziell nur für Typ-2-Diabetes zugelassen, nicht zum Abnehmen. Wer es allein zur Gewichtsreduktion verschrieben bekommt, nutzt es „off label“ und zahlt selbst. Den direkten Vergleich der drei Präparate — Wirkung, Dosierung, Handhabung — findest du im Cluster Ozempic, Wegovy, Mounjaro: Die GLP-1-Medikamente im Vergleich(erscheint 08.07.2026).

3. Wie stark wirken sie wirklich? Die Zahlen aus den Studien

Hier trennt sich Marketing von Evidenz. Die gute Nachricht: Der Gewichtsverlust ist in kontrollierten Studien real und deutlich größer als bei jeder Diät allein. Die ehrliche Nachricht: Die Präparate unterscheiden sich stark, und die Studienwerte sind Durchschnittswerte unter optimalen Bedingungen.

👉 Durchschnittlicher Gewichtsverlust in Phase-3-Studien:

  • Semaglutid 2,4 mg (Wegovy): rund 15 % des Körpergewichts (STEP-Programm)
  • Tirzepatid (Mounjaro): rund 20–22 % (SURMOUNT-Programm)
  • Liraglutid: deutlich weniger, meist im einstelligen Prozentbereich

Eine direkte Vergleichsstudie, SURMOUNT-5, bestätigte 2025 die Überlegenheit von Tirzepatid gegenüber Semaglutid — sowohl beim Gewicht als auch beim geschätzten Herz-Kreislauf-Risiko über zehn Jahre.[2] Eine Netzwerk-Meta-Analyse (Obesity, 2026) reihte die Wirkstoffe in derselben Reihenfolge: Tirzepatid vor Semaglutid vor Liraglutid.[3]

Zur Einordnung: In der Praxis fallen die Ergebnisse oft geringer aus als in Studien, weil viele Anwender die Zieldosis nie erreichen oder früh abbrechen. Ein Durchschnitt von 20 Prozent bedeutet außerdem, dass manche Menschen viel mehr und manche kaum abnehmen — die individuelle Reaktion schwankt erheblich.

Ein weiterer Punkt, der im Marketing untergeht: Die Studienteilnehmer erhielten neben dem Medikament immer auch eine Ernährungs- und Bewegungsberatung. Die eindrucksvollen Zahlen sind also das Ergebnis aus Wirkstoff plus Lebensstiländerung — nicht der Spritze allein. Wer nur spritzt und sonst nichts ändert, riskiert schwächere Ergebnisse und einen umso stärkeren Rückfall nach dem Absetzen.

4. Mehr als Abnehmen: der Herz-Kreislauf-Nutzen

Der vielleicht wichtigste Befund der letzten Jahre hat mit Gewicht nur indirekt zu tun. Die großen Endpunktstudien zeigen, dass GLP-1-Medikamente das Herz-Kreislauf-System schützen — und das ist der Grund, warum Kardiologen inzwischen mit am Tisch sitzen.

👉 Die zentrale Evidenz:

  • Der SELECT-Trial (NEJM, 2023, randomisiert, n = 17.604) zeigte: Semaglutid senkt schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod) um 20 Prozent bei Menschen mit Übergewicht und bestehender Herzerkrankung, aber ohne Diabetes
  • Bemerkenswert: Der Schutzeffekt trat teils unabhängig vom Ausmaß des Gewichtsverlusts auf — es steckt also mehr dahinter als nur weniger Kilos
  • Frühere Studien (SUSTAIN-6, PIONEER-6) hatten den kardioprotektiven Effekt von Semaglutid bereits bei Diabetes gezeigt
  • Auch für die Nieren deuteten Auswertungen des SELECT-Trials auf einen schützenden Effekt hin — ein Bereich, der besonders bei Diabetes und Bluthochdruck wichtig ist

Diese Datenlage hat die Bewertung verschoben: Aus einem reinen „Lifestyle-Präparat“ ist ein Medikament mit belegtem medizinischem Nutzen für Risikogruppen geworden. Fachgesellschaften diskutieren inzwischen, GLP-1 gezielt bei Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko einzusetzen — unabhängig davon, wie viele Kilos jemand verlieren möchte. Wie sich dieser Nutzen zur Longevity-Forschung verhält, beleuchten wir im Cluster GLP-1 und Longevity: Mehr als nur Abnehmen?. Einen breiteren Rahmen dazu liefert unser Longevity-Guide.

5. Die Nebenwirkungen: häufig, meist mild, selten ernst

Kein wirksames Medikament ist frei von Nebenwirkungen — und GLP-1 macht da keine Ausnahme. Die meisten Beschwerden sind gut bekannt, dosisabhängig und in der Eingewöhnungsphase am stärksten. Ernste Komplikationen sind selten, gehören aber ehrlich benannt.

👉 Häufige Nebenwirkungen (betreffen viele Anwender):

  • Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Völlegefühl — mit Abstand am häufigsten
  • Appetitlosigkeit bis hin zu Widerwillen gegen bestimmte Speisen
  • Reaktionen an der Einstichstelle

Diese Beschwerden lassen sich oft durch langsames Aufdosieren abmildern — Ärztinnen und Ärzte starten deshalb mit einer niedrigen Dosis und steigern sie über Wochen. Auch kleinere, fettärmere Mahlzeiten und ausreichend Trinken helfen vielen Anwendern durch die Anfangsphase. In der Praxis brechen dennoch 20 bis 30 Prozent der Anwender die Therapie im ersten Jahr ab — meist wegen Nebenwirkungen, Kosten oder unerfüllter Erwartungen. Die Nebenwirkungen im Detail und den Umgang damit behandelt der Cluster Nebenwirkungen von GLP-1: Übelkeit, Magen-Darm & Co.. „Durchziehen“ ist dabei kein guter Rat — anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

6. Das Muskel-Problem: warum Protein und Krafttraining jetzt zählen

Ein Aspekt wird im Hype gern übersehen: Wer schnell abnimmt, verliert nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse. Das ist bei jeder starken Gewichtsabnahme so — unter GLP-1 aber besonders relevant, weil der Verlust rasch und deutlich sein kann.

👉 Was die Forschung zeigt:

  • Die SEMALEAN-Studie fand unter Semaglutid einen anfänglichen Verlust an Magermasse von rund 3 kg nach sieben Monaten, danach stabilisierte er sich[4]
  • Positiv: Die gemessene Griffkraft verbesserte sich, und der Anteil an „sarkopener Adipositas“ (zu wenig Muskel bei zu viel Fett) sank von 49 auf 33 Prozent
  • Frauen und ältere Menschen sind stärker gefährdet — eine höhere Proteinzufuhr kann laut einer ENDO-2025-Präsentation vor Muskelverlust schützen[5]

Die praktische Konsequenz ist klar: Wer GLP-1 nutzt, sollte gezielt gegensteuern — mit ausreichend Eiweiß und Krafttraining. Details liefern die Cluster Muskelverlust unter GLP-1: Warum Krafttraining jetzt entscheidend ist und Proteinbedarf unter GLP-1: So schützt du deine Muskeln.

7. Der Jo-Jo-Effekt: was beim Absetzen passiert

Die unbequemste Wahrheit über GLP-1-Medikamente: Sie wirken, solange man sie nimmt. Setzt man sie ab, kehrt bei vielen Menschen ein erheblicher Teil des verlorenen Gewichts zurück. Das liegt nicht an mangelnder Disziplin, sondern an der Biologie — der Körper reguliert Appetit und Sättigung nach dem Absetzen wieder wie zuvor.

👉 Was das bedeutet:

  • Studien-Nachbeobachtungen zeigen nach dem Absetzen eine deutliche Gewichtszunahme über die Folgemonate
  • GLP-1 ist damit für viele eher eine Dauertherapie als eine kurze Kur — vergleichbar mit Blutdruck- oder Cholesterinmedikamenten
  • Umso wichtiger ist der Aufbau tragfähiger Ess- und Bewegungsgewohnheiten während der Behandlung

Diese Perspektive verändert die Erwartung grundlegend: Es geht nicht um eine schnelle Spritzenkur, sondern um eine langfristige Strategie. Was genau beim Absetzen passiert und wie man den Rückfall abmildert, vertieft der Cluster Der Jo-Jo-Effekt nach GLP-1: Was beim Absetzen passiert.

8. Was es kostet — und wer in Deutschland zahlt

Für die meisten Menschen in Deutschland ist der Preis die größte Hürde. Denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Wegovy, Ozempic oder Mounjaro nicht, wenn die Mittel allein zur Gewichtsreduktion dienen — sie gelten dann als „Lifestyle“-Arznei.

👉 Grobe Monatskosten (Selbstzahler, Stand 2026):

  • Wegovy: rund 270 € in der Einstiegsphase, bis ~370 € bei Höchstdosis
  • Mounjaro: je nach Dosis etwa 300–580 €
  • Ozempic: ca. 100 € — aber nur für Diabetes zugelassen, zur Gewichtsreduktion off label und privat
  • Nevolat (Liraglutid-Generikum, seit 2026): ab ~79 € Starterpackung

Eine Kostenübernahme durch die GKV ist nur in engen Ausnahmen möglich — etwa bei einem BMI über 35 mit schwerwiegender Begleiterkrankung und nachweislich erfolgloser nicht-medikamentöser Therapie. Selbst dann werden viele Anträge abgelehnt.

Über die reinen Medikamentenpreise hinaus lohnt eine ehrliche Rechnung: Weil GLP-1 für viele eine Dauertherapie ist, summieren sich die Kosten über Jahre auf mehrere Tausend Euro. Genau deshalb ist der Markteintritt günstigerer Generika wie Nevolat und die absehbare Verbreitung oraler Varianten wirtschaftlich so bedeutsam — sie könnten die Behandlung für breitere Bevölkerungsgruppen überhaupt erst erschwinglich machen. Die Details, inklusive der aktuellen Diskussion um eine mögliche Kassenerstattung, behandelt der Cluster Was GLP-1-Medikamente in Deutschland kosten – und wer sie zahlt(erscheint 29.07.2026).

9. Für wen sie nicht geeignet sind — und die Risiken aus dem Internet

GLP-1-Medikamente sind verschreibungspflichtig — aus gutem Grund. Sie gehören in ärztliche Hand, weil es klare Gegenanzeigen gibt und die Dosierung individuell angepasst werden muss.

👉 Wichtige Kontraindikationen und Vorsichtsgründe:

  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom in der eigenen oder Familien-Vorgeschichte sowie das Syndrom MEN 2
  • Frühere Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Schwangerschaft und Kinderwunsch-Phase

Zur Einordnung der Ängste: Der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs stammt aus Nager-Studien; große Post-Marketing-Daten bei Millionen behandelter Menschen zeigten kein erhöhtes Risiko für das medulläre Karzinom beim Menschen (DGE-Blog, 2025).[7] Auch das Pankreatitis-Risiko liegt nach aktuellen Meta-Analysen unter einem Prozent und ist nicht klar erhöht. Ernst zu nehmen ist dagegen ein anderes Risiko: Präparate aus dem Internet. Gefälschte „Abnehmspritzen“, falsche Dosierungen und fehlende ärztliche Kontrolle sind gefährlich. Wer über eine Behandlung nachdenkt, klärt das mit einer Ärztin oder einem Arzt — nicht über einen Online-Shop. Alle Gegenanzeigen im Detail behandelt unser Artikel Wann GLP-1 nicht geeignet ist: Kontraindikationen & Risiken.

10. „Natürliches Ozempic“? Was an Berberin & Co. dran ist

Kaum ist ein Medikament ein Hit, verspricht der Supplement-Markt eine „natürliche Alternative“. Der prominenteste Kandidat ist Berberin, ein Pflanzenstoff, der auf Social Media als „natürliches Ozempic“ gehandelt wird. Die nüchterne Faktenlage: Der Vergleich hinkt gewaltig.

👉 Was Studien zeigen:

  • Berberin kann Blutzucker und Triglyceride moderat senken (Meta-Analyse bei Typ-2-Diabetes)
  • Der Effekt auf das Gewicht ist gering — meist wenige Kilogramm, weit entfernt von den zweistelligen Prozentwerten der GLP-1-Medikamente[9]
  • Die Evidenzqualität ist niedrig, es fehlen standardisierte Dosierungen und Langzeitstudien

Berberin ist kein Hormon-Nachbau und wirkt über völlig andere Stoffwechselwege. Es als „natürliches Ozempic“ zu verkaufen, ist Marketing, keine Wissenschaft. Den vollständigen Faktencheck liefert der Cluster „Natürliches Ozempic“: Was an Berberin & Co. dran ist.

Häufige Fragen

Wie stark wirken GLP-1-Medikamente wirklich beim Abnehmen?

In Phase-3-Studien verloren Anwender im Schnitt rund 15 Prozent des Körpergewichts mit Semaglutid (Wegovy) und etwa 20–22 Prozent mit Tirzepatid (Mounjaro). Das sind Durchschnittswerte unter optimalen Bedingungen — in der Praxis fällt der Verlust oft geringer aus, weil viele die Zieldosis nicht erreichen oder früh abbrechen. Die individuelle Reaktion schwankt stark.

Zahlt die Krankenkasse Ozempic, Wegovy oder Mounjaro?

Zur reinen Gewichtsreduktion in der Regel nicht — die gesetzlichen Kassen stufen das als „Lifestyle“-Therapie ein. Ausnahmen sind eng: etwa BMI über 35 mit schwerwiegender Begleiterkrankung und erfolgloser nicht-medikamentöser Vorbehandlung. Ozempic wird nur bei Typ-2-Diabetes erstattet. Ansonsten sind es Selbstzahler-Kosten von rund 100 bis 580 Euro pro Monat.

Was passiert, wenn man die Spritze wieder absetzt?

Bei vielen Menschen kehrt ein erheblicher Teil des verlorenen Gewichts zurück, weil Appetit und Sättigung wieder wie vor der Behandlung reguliert werden. GLP-1 ist deshalb für viele eher eine Dauertherapie als eine kurze Kur. Umso wichtiger ist es, während der Behandlung tragfähige Ess- und Bewegungsgewohnheiten aufzubauen.

Wie gefährlich sind die Nebenwirkungen?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung — meist mild und in der Eingewöhnungsphase am stärksten. Ernste Komplikationen sind selten. Befürchtungen zu Schilddrüsenkrebs und Bauchspeicheldrüsenentzündung haben sich in großen Human-Daten bislang nicht bestätigt. Anhaltende Beschwerden sollten trotzdem ärztlich abgeklärt werden.

Ist Berberin ein „natürliches Ozempic“?

Nein. Berberin kann Blutzucker und Blutfette moderat beeinflussen, hat aber nur einen geringen Effekt auf das Gewicht und wirkt über ganz andere Stoffwechselwege als GLP-1. Die Studienqualität ist niedrig, Langzeitdaten fehlen. Der Vergleich mit Ozempic ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Für wen sind GLP-1-Medikamente nicht geeignet?

Nicht geeignet sind sie unter anderem bei medullärem Schilddrüsenkarzinom (auch in der Familie) oder MEN 2, bei früherer Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie in der Schwangerschaft. Da die Mittel verschreibungspflichtig sind, klärt eine Ärztin oder ein Arzt individuell, ob eine Behandlung infrage kommt. Präparate aus dem Internet sind wegen Fälschungen und fehlender Kontrolle gefährlich. Was GLP-1-Medikamente für Zyklus, Fruchtbarkeit und Verhütung bedeuten, erklärt unser Artikel GLP-1 bei Frauen.

Fazit: Wirksam, aber kein Selbstläufer

GLP-1-Medikamente sind die wirksamsten Mittel zur Gewichtsregulation, die bisher breit verfügbar sind — mit einem belegten Zusatznutzen fürs Herz. Aber sie sind kein Knopfdruck-Wunder: Sie kosten viel, sie haben Nebenwirkungen, sie erfordern Muskelschutz durch Protein und Training, und ihr Effekt hält nur an, solange man sie nimmt.

👉 Was du mitnehmen solltest:

  • Wirkung ist real: ~15 % Gewichtsverlust (Semaglutid), ~20 % (Tirzepatid), plus 20 % weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse (SELECT-Trial)
  • Preis ist die Hürde: meist Selbstzahler, ~100–580 € pro Monat, GKV nur in Ausnahmen
  • Risiken ehrlich einordnen: Magen-Darm häufig, Muskelverlust real, Jo-Jo nach Absetzen — ernste Komplikationen selten
  • Immer ärztlich begleitet: verschreibungspflichtig, klare Gegenanzeigen, keine Selbstmedikation aus dem Internet

Die nächste Wirkstoffgeneration steht schon bereit: Der Dreifach-Agonist Retatrutid erreichte in Phase-3-Studien fast 28 Prozent Gewichtsverlust,[6] und eine Semaglutid-Tablette könnte 2026 auch in der EU zugelassen werden. In den kommenden Wochen erscheinen auf Medizin-Fakten ausführliche Einzelartikel zu jedem Aspekt — von der Wirkweise über Nebenwirkungen und Kosten bis zu Ernährung und Alkohol unter GLP-1. Bleib kritisch, bleib informiert — und triff jede Entscheidung gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Quellen

  1. Lincoff AM et al. (2023). Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Obesity without Diabetes (SELECT). New England Journal of Medicine. nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2307563 — Abgerufen 06.07.2026.
  2. SURMOUNT-5 Post-hoc Analysis (2025). Tirzepatide compared with semaglutide and 10-year cardiovascular disease risk reduction in obesity. PMC. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12448458 — Abgerufen 06.07.2026.
  3. Lim et al. (2026). Weight Loss With GLP-1 Agonists in Nondiabetic Adults: Systematic Review and Network Meta-Analysis. Obesity (Wiley). onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/oby.70169 — Abgerufen 06.07.2026.
  4. SEMALEAN-Studie (2025). Impact of Semaglutide on fat mass, lean mass and muscle function in patients with obesity. PMC. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12673431 — Abgerufen 06.07.2026.
  5. Endocrine Society / ENDO 2025. Consuming more protein may protect patients taking anti-obesity drug from muscle loss. endocrine.org — Abgerufen 06.07.2026.
  6. The Pharmaceutical Journal (2025/26). Phase III retatrutide study demonstrates ~30% weight loss (TRIUMPH). pharmaceutical-journal.com — Abgerufen 06.07.2026.
  7. DGE-Blog (2025). GLP-1-Rezeptor-Agonisten und Schilddrüsenkrebs. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. blog.endokrinologie.net — Abgerufen 06.07.2026.
  8. apodiscounter (2026). Abnehmspritze Kosten 2026: Preise von Mounjaro, Wegovy & Co. apodiscounter.de/ratgeber/abnehmen/abnehmspritze/kosten — Abgerufen 06.07.2026.
  9. UCLA Health (2026). What to know about berberine, the so-called „nature’s Ozempic“. uclahealth.org — Abgerufen 06.07.2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei konkreten gesundheitlichen Fragen sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.